Zocken

Konzentrierte Miene, fliessende Fingerfertigkeit und geradezu perfekte heitere Grundmaskierung – ich beobachte den Croupier beim amerikanischen Roulette. Von Spielern hingeworfene Scheine stösst er wie nebenbei mit einem durchsichtigen Schieber in den Schlitz am Spieltischrand und wechselt sie blitzschnell in Jetons ein. Gelegentliche Fragen aufgeregter Neulinge beantwortet er stets mit freundlicher Gelassenheit. Nur einmal entfährt ihm ein missbilligendes Tsstss, als nämlich ein Spieler mit fahrigen Bewegungen seinen Karton mit Jetons vom Tisch wischt. Bei Wikipedia steht übrigens, der Croupier verstehe im allgemeinen wenig vom Gewinnproblem.

Wir befinden uns im 37. Stock des Hotels am Alex – im Spielcasino, klar. Die Aussicht über die Stadt ist bombastisch. Und eine Lesung im Casino erlebt man nicht alle Tage.

Im Schein des Casinolichts.

Raucherlounge, rechts der Fernsehturm.

Spielgeld vor russischem Buffet, das nach der Lesung erstürmt wird (das Buffet, nicht das Spielgeld), dazu passend gibt es Wodka.

Wir verspielen jeder zehn Euro und machen uns Gedanken über die echten Spieler. Und Tereskaja tanzt schön zu den Klängen der Russendisko.

2 Gedanken zu „Zocken

  1. REPLY:
    „Es gab keinen Sex im Sozialismus“ – Wladimir Kaminer. Ich wollte vermeiden, dass mein Blog durch diese Suchworte aufgerufen wird – aber steht dann eh erst auf Seite 100.000…

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