Muraleando

Zweimal schon ausgiebig durchs Viertel Lawton gelaufen, ohne das Projekt Muraleando zu entdecken, dabei befindet es sich ganz nah an unseren Wegen – zum Glück bei Lektüre des Reiseführer nun doch darauf gestossen und sofort dorthin aufgemacht. Bereits auf der Porvenir stösst man auf Strassenkunst. Komplett verkleidete Schnauze eines ruinösen Gebäudes.

Um die Ecke in der Aguilera eine kleine künstlerisch gestaltete Grünfläche. Zwischendurch zwingen uns dicke Regentropfen „bedachte“ Wartezeiten auf.

Warmer Niesel macht mir aber nichts, also weiter. Erhöhtes Polizeiaufkommen, mächtig viele Uniformierte steigen in und aus einem halben Dutzend eindeutig nummerierter Wagen, der Grund ist nicht erkennbar. M. raunt mir zu, sie nicht zu fotografieren, aber das hätte ich sowieso nicht gewagt. Inmitten der beunruhigenden Polizeipräsenz knipsen zwei harmlose ältere devisenbringende Touris hier lediglich Wandbilder.

Viele Menschen stehen in den Hauseingängen und beobachten das Geschehen.

Direkt neben einem türkisblau aufgefrischten villenartigen Gebäude (Polizei?) zieht sich die Wandbildreihe weiter.

Um die Ecke wird es immer schöner.

Man weiss gar nicht, wo man zuerst hingucken soll.

Niesel egal, hier gibt es so viel festzuhalten…

… zum Beispiel dieses kleine Detail.

Märchenhaft anmutend.

Aus Objekten von Mülldeponien neu geschaffene Sitzgelegenheiten…

… und Skulpturen. Auch alte Klobecken, gestapelt und mit Draht umwickelt, werden zu Installationen.

Liebevoll geflieste und bemalte Bänke.

Inmitten all der Strassenkunst das Kulturzentrum. Es findet gerade eine Geburtstagsfeier statt. Ein schwarzer Alter an Krücken bedeutet uns, draussen alles angucken zu dürfen, nur in die Räume sollen wir nicht.

Während ich noch fotografiere, prasselt der Regen schon richtig los.

Fast zwei Stunden lang stehen wir nun mit dem freundlichen Alten unterm Wellblechdach, „una hora“, hat er anfangs gesagt, würde der Regen dauern. Der ist echt heftig und mit zugigen Böen vermischt, die uns trotz Dach etwas durchfeuchten. Relativ sprachlos, weil sprachunkundig, stehen wir also stundenlang da, bei besonders lautem Prasseln ziehen wir mit dem Alten synchron schaudernd die Schultern hoch, stossen Schreckensrufe aus und lächeln uns hilflos an. Drinnen tobt die Geburtstagsfeier.
Typisch auch, dass wir kaum etwas dabeihaben, ich immerhin ein langärmliges Blüschen, das ich gegen meine Gewohnheit bis zum obersten Knopf schliesse, M. ein Westchen.
Endlich endlich nur noch Niesel! Der Alte freut sich über einen CUC, wir bedanken uns herzlich und ziehen los, die Hauptverkehrsader entlang, kein Taxi hält, aus den Bussen hängen gepropft die Menschen, aber schlimm ist das alles nicht, weil endlich wieder Bewegung und warm. Auf den letzten Metern der 3-km-Tour doch wieder Sturzregen. Kurze Zuflucht in staatlichem Lebensmittelladen, aber sie schliessen bald, die farbige Reinigungsfrau schrubbt den Boden und singt dabei fröhlich laut zur Musik aus der Anlage.
Zwei bis auf die Haut durchweichte Touris gelangen schliesslich mit großer Verspätung in ihre Herberge.

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