Gefärbte Saat & Schweinekopf

Auf dem Krakauer Markt in Lviv finde ich Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie noch gibt, zum Beispiel Saat für weisse Erdbeeren, die kannte ich nur von alten Gemälden. Oder manuelle Küchengeräte, flotte Minnas mit Aufsatzersatz, Sprungfeder-Kartoffelstampfer usw.


Eine Halle voll Obst und Gemüse.


Allein die Saatgutabteilung umfasst mindestens ein Dutzend Stände.


Die blaue Saat ist gefärbte Möhre, wenn ich der Händlerin glauben darf.


Hier die weissen Erdbeeren.


In der Fleischhalle ist heute nicht so viel los, laut Reiseführer samstags mehr.

Hochsommerlich heiss, nach dem Markt sinken wir ermattet in einem schattigen Strassencafé nieder, stellen offenes Wlan fest, zücken synchron unsere Smartphones und verbinden uns mit dem Rest der Welt, mal schnell nach Mails gucken, was gibt’s Neues von Strauss-Kahn, ich teste ein gps-app.


Auf der anderen Strassenseite dieser Balkon.

Je länger man sitzt, desto träger wird man in der Mittagshitze. Schliesslich raffen wir uns auf, der Lycakiv’ske Friedhof steht noch auf dem Plan.


Hier übrigens auf dem Weg ein typischer vollgestopfter Bus.


Lange wandern wir durch die Grabreihen des seit dem 18. Jhdts bestehenden Friedhofs.


Verwilderte Grabfragmente.

Die russischen Gräber oft mit Skulptur oder mindestens Foto des Verstorbenen, polnische, deutsche, österreichische Grüfte durcheinander, Meyerow, Weberow, Müllerow, Hübnerow…
Ganz oben auf dem Berg dann viele Reihen uniforme Eisenkreuze von 1903 bis in die 1930er Jahre hinein, nur Männer, nur Jahreszahlen, kein genaueres Datum, viele richtig alt geworden. Wir rätseln, bisher ohne Ergebnis, vielleicht finde ich noch was im Netz.


Leben verflogen wie eine Pusteblume. Bevor wir ganz melancholisch werden, kehren wir in die heisse quirlige Stadt zurück.

2 Gedanken zu „Gefärbte Saat & Schweinekopf

  1. Lesen kann ich da zwar nicht viel und mit dem Zeigen von Schweineköpfen sind sie hier in Köln sehr geizig. Schöne Marktbilder und etwas marode aussehende Gebäude gefallen mir ja sowieso.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.